musik | natur wissenschaft

 

 

musikpsychologie
an der Uni Wien


 

 

   

Diplomarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades Magister der Naturwissenschaften
an der Psychologischen Fakultät der Universität Wien
eingereicht von Thomas Biegl Wien, im Oktober 2004

_____________________________________



Glücklich singen - singend glücklich?
Gesang als Beitrag zum Wohlbefinden.
Serotonin, Noradrenalin, Adrenalin, Dopamin und Beta-Endorphin
als psychophysiologische Indikatoren


Kann man glücklich singen? Kann man sich glücklich singen? Wird man singend glücklich?

Von diesen Fragen ist dieses Forschungsprojekt getragen. Musiktherapeuten berichten immer wieder von Wohlbefindes-Verbesserungen durch Singen, angstreduzierende, immunabwehr-steigernde und positive sozialpsychologische Effekte zeigen neuere Studien - aber wie steht es mit dem Glücksgefühl?

Univ.Prof. Dr.Erich Vanecek und Thomas Biegl versuchten, sowohl mittels Blutanalyse (Serotonin, Noradrenalin, Adrenalin, Dopamin und Beta-Endorphin) als auch mittels Befindlichkeitsfragebogen fündig zu werden.

In dieser Arbeit werden die Wechselwirkungen zwischen Glück, Singen und Wohlbefinden beleuchtet. Der theoretische Teil umfasst drei große Bereiche, die sich zu einem Ganzen formen mögen: Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Begriff Glück im philosophisch-literarischen und emotional-psychologischen Sinn sowie den psychophysiologischen Auswirkungen von Glücklichsein. Der zweite Teil beschreibt, ausgehend von den anatomischen Grundlagen, die Art und Weise, wie "glückliches Singen" - was der Autor darunter versteht, wird in der Folge noch klar werden - möglich ist und im dritten Teil werden unter Bezugnahme auf therapeutische und gesundheitspsychologische Aspekte die Auswirkungen des Singens auf das Glücklichsein erläutert.

"Singend glücklich durch glückliches Singen?" Genau dieser Frage wird im empirischen Teil nachgegangen. Zentraler Punkt der Untersuchung ist die Erforschung, in welcher Weise sich Singen auf physiologische Korrelate des Glücks auswirkt. Ein Anstieg der Neurotransmitter Dopamin, Serotonin und Noradrenalin sowie des "Glückshormons" Beta-Endorphin im Serum kann als Indikator für Glücks- und Wohlbefinden gelten, die Verringerung von Adrenalin geht mit einer Verringerung des Angst- und Stressniveaus einher. Zu diesem Zwecke wurden Probanden gebeten, zu singen und sich zu drei Testzeitpunkten (Eintreffen - Vor dem Singen - Nach dem Singen) Blut abnehmen zu lassen. Begleitend wurde mittels eines Fragebogens die spontane emotionale Befindlichkeit erhoben.

Ergebnisse:

Werden alle bei diesem Experiment erhobene Daten in Ihrer Gesamtheit betrachtet ergibt sich folgendes Bild:

Die psychophysiologischen Glücksindikatoren Serotonin und Noradrenalin sind merklich angestiegen, das stresshormon Adrenalin hat sich durch das Singen reduziert. Eine Zunahme von Dopamin konnte nicht nachgewiesen werden, das Opiat Beta-Endorphin wurde vermehrt ausgeschüttet.

Hinsichtlich der mittels Fragebogen erhobenen Befindlichkeiten konnte eine Angstreduktion, eine Hebung der frohen Stimmung, eine Reduzierung der Erschöpfung, eine Reduzierung einer allfällig vorhandenen Hemmung und eine generelle Steigerung des Wohlbefindens durch das Singen festgestellt werden. Aggressivität und Verlassenheitsgefühl haben sich nicht verringert.

Dass Singen glücklich machen kann, und sich dies auch in physiologischen und psychologischen Parametern darstellen lässt, wurde im Rahmen dieses Experiments dargestellt. Dass diese Arbeit weiteren musikpsychologischen Forschergeist anrege, das ist mein Wunsch, damit auch aus gesundheitspsychologischen Erwägungen heraus die Musik und insbesondere das Singen einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft habe - zum Wohle der Menschheit als rezept- und schmerzfreie "Injektion" zum Glückszustand.


"Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder",
weiß der Volksmund zu berichten. Glückliche schon.

_____________________________________

 

Die Arbeit kann gegen Spesenersatz ab dem Frühjahr 2005 auf CD-Rom oder gebunden in Papierform beim Autor unter thomas.biegl@gmx.at erworben werden. Weiters liegt sie in der Universitätsbibliothek Wien zum Ausleihen auf.

Für am Themenkreis Interessierte empfehle ich besonders folgende Bücher:


Adamek, K. (2000). Singen als Lebenshilfe. Münster: Waxmann

Bruhn, H., Oerter, R. & Rösing, H. (Hrsg) (1994). Musikpsychologie. Ein Handbuch. Reinbek bei Hamburg: Rohwohlt

Gembris, H.(2002). Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung. Augsburg: Wißner-Verlag

Hegi, F. (1997). Improvisation und Musiktherapie. Möglichkeiten und Wirkungen von freier Musik, Paderborn: Junfermann Verlag

Husler, F. & Rodd-Marling, Y. (1965). Singen. Die physische Natur des Stimmorganes. Anleitung zum Aufschließen der Singstimme. Mainz: Schott.

Klöppel, R. (2003). Die Kunst des Musizierens. Von den physiologischen und psychologischen Grundlagen zur Praxis. Dritte, vollständig überarbeitete Ausgabe. Mainz: Schott Musik International

Otto, J.h., Euler, H.A., & Mandl, H. (Hrsg.) (2000). Emotionspsychologie. Ein Handbuch. Weinheim. Beltz Psychologie Verlags Union

Pinel, J.P.J (2001) Biopsychologie. 2. neubearbeitete Auflage. Heidelberg: Spektrum, Akademischer Verlag

Riesch, A. (1972). Lebendige Stimme. Stimmbildung für Sprache und Gesang. Mainz: Schott.

Schandry, R. (1998). Lehrbuch Psychophysiologie. Körperliche Indikatoren psychischen Geschehens. Weinheim: Beltz Psychologie Verlags Union.

Seidner, W. & Wendler, J. (1997). Die Sängerstimme. Phoniatrische Grundlagen der Gesangsausbildung. Berlin: Henschel Verlag.

Spitzer, M. (2002). Musik im Kopf. Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk. Stuttgart: Schattauer

Sundberg, J. (1997). Die Wissenschaft von der Singstimme. Bonn: Orpheus Verlag für systematische Musikwissenschaft GmbH

Tomatis, A.A. (1995). Das Ohr und das Leben. Erforschung der seelischen Klangwelt. Übersetzung von Lorenz Häflieger. Solothurn: Walter

Vanecek, E & Wenninger-Brenn, C. (Hrsg.). (2003). Kunst-Medizin-Therapie. Wien:WUV-Univ.Verlag

Vossel, G. & Zimmer, H. (1998). Psychophysiologie. Stuttgart: Kohlhammer

Weikl, B. (1998). Vom Singen und von anderen Dingen. Ein Ratgeber für alle, die beruflich oder privat mit einer klangvollen Stimme erfolgreicher sein wollen. Wien: Kremayr & Scheriau.

Zimbardo, Ph. G. & Gerrig, R. J. (2003) Psychologie. Berlin: Springer

 

 

home | kontakt